Unsere Projekte

Unsere Projekte sind vielfältig und gründen auf drei wesentliche Säulen (Ausführliche Berichte zu unseren Projekten finden Sie nach diesem Abschnitt.):

Die erste Säule bildet das Projekt „Culture Sounds“ in der ZEA , wo wöchentlich eine Singgruppe für bis zu 40 geflüchtete Personen angeboten wird. Hier werden Lieder aus aller Welt, allen Kulturkreisen und Religionen gesungen und mit der Stimme, Body Percussion und kleinen Instrumenten begleitet. Das Liedgut besteht sowohl aus Liedern in den jeweiligen Landessprachen (albanische, arabische, kurdische usw.), sowie englische und deutsche Lieder, um ihnen den Einstieg in den europäischen Sprachraum zu erleichtern.

Unsere „Bau-Workshops“ richten sich vor allem an junge Männer und Kinder. Hier geben wir den geflüchteten Menschen die Möglichkeit, sich im Rahmen eines oder mehrerer Nachmittage ein eigenes Instrument zu bauen, es anschließend zu bemalen und damit in der Gruppe zu musizieren.

Die Arbeit in der Notunterkunft bildet die zweite Säule. Hier findet ein Angebot unter dem Titel „Come together“ statt. Ziel dieser Arbeit ist es, ein Miteinander zwischen den einzelnen Nationen herzustellen, die Spannungen durch das gemeinsame Musizieren aufzulockern und eine Möglichkeit zum eigenen und kulturellen Ausdruck zu geben.

Unsere dritte Säule – die „Schutzklänge“ – befindet sich momentan im Aufbau. Unter dem Titel verbirgt sich unsere Zukunftsvision: geflüchteten Menschen, die aufgrund ihrer traumatischen Flucht- und Kriegserfahrungen für die Ver- und Bearbeitung der Folgen Hilfe brauchen, musiktherapeutisch zu unterstützen. Für diese Säule steht die therapeutische Arbeit im geschützten Setting im Vordergrund. Den Menschen soll für mindestens sechs Monate ein fester Platz in einer Musiktherapie mit wöchentlichen Sitzungen ermöglicht werden. Dafür haben wir ein Patenschaftssystem entworfen, bei dem mehrere Sponsoren die Therapie einer Person für 25 Euro im Monat finanzieren können.

„Singen, Summen, Stricken und Häkeln“ - Offene musiktherapeutische Frauengruppe in der Folgeunterkunft Sieverstücken (Hamburg Sülldorf)

Seit Mai dieses Jahres treffen sich 6-10 Frauen alle 14 Tage samstags im Gemeinschaftsraum der Folgeunterkunft um gemeinsam zu handarbeiten, zu singen und ins Gespräch zu kommen. Drei Musiktherapeutinnen des Vereins haben diese Frauengruppe gegründet. Nach der Kennenlernphase möchten wir zum Herbst in die Arbeitsphase starten und eigene Handarbeitsprojekte entwickeln, welche am Projektende November 2018 dann ggf. ausgestellt werden können.

Gefördert wird unser Vorhaben durch „FREIRÄUME! Fonds für kulturelle Projekte mit Geflüchteten“. Der Verein freut sich über Sachspenden. Wolle, Nadeln oder sonstiges Zubehör können gerne bei uns abgegeben werden.

Foto 24.06.17, 16 25 54

Schnackenburgallee: Workshop „Instrumentenbau“ und gemeinsames Musizieren

Am 25. und 26. April startet unser Verein ein Musikprojekt in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung Schnackenburgallee. Geplant ist, an den beiden Tagen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Alters einfache Instrumente wie Tontopf- und Eimer-Trommeln sowie Kronkorken-Rasseln zu bauen. Bei entsprechender Resonanz soll das Projekt anschließend in noch nicht näher geplanter Art und Weise fortgeführt werden.

Projekt-Flyer

Workshop-Bericht

Am 25. und 26. April fand in der ZEA Schnackenburgallee unser Instrumentenbau-Workshop statt, in dem die Bewohner für jeweils zwei Stunden einfache Rhythmusinstrumente bauen und auch spielen konnten.

Malen und Basteln – Kinder-Spaß

Zunächst waren es hauptsächlich Kinder zwischen drei und sieben Jahren, die das sogenannte Musik- bzw. Bewegungszelt stürmten, als wir am Samstagnachmittag gegen halb drei Kartons und Tüten voll mit Material und Werkzeug dort hineintrugen. Sobald die Vorbereitungen abgeschlossen waren, dauerte es nicht lange, und das Zelt verwandelte sich in eine Werkstatt der Kreativität. Konzentriert und mit Spaß an der Sache wurden Tontöpfe, Klopapierrollen und Holzrasseln bemalt bzw. zunächst abgeschliffen und dann bemalt.

Attraktion Werke(l)n – auch junge Erwachsene fühlen sich angesprochen

Später tauchten dann einige junge Männer mit Tischtennisschlägern in der Hand vor dem Zelt auf. Sie ließen sich recht schnell dazu überreden, ebenfalls mitzumachen. So dauerte es nicht lange, da waren auch sie mit großem Eifer dabei, Plastikeimer mit Folie zu bespannen, mit Gaffaband zu fixieren und mit Schnur zu umwickeln, um die Bespannung zu straffen. Außerdem konnten wir die jungen Männer – Flüchtlinge aus Syrien – noch dafür gewinnen, sogenannte Regenmacher zu bauen. Auch hier erwiesen sie sich als äußerst motiviert und geschickt. Nach einer kurzen Anleitung verwandelten sie die bereitgestellten Papprollen, Nägel und gelben Erbsen kreativ und eigenständig in wohlklingende Instrumente, die im Anschluss von den Kindern liebe- und hingebungsvoll bemalt wurden.

Aus Chaos wird Kreativität

Der Beginn des zweiten Workshop-Tages war getrübt durch starken Regen. Die anwesenden Kinder hatten ein großes Bewegungsbedürfnis, das noch dadurch befeuert wurde, dass wir die gestern gebauten Instrumente einladend in der Mitte eines aus Bänken aufgebauten Kreises ausgelegt hatten. Innerhalb kürzester Zeit formierte sich die Situation zu einer Orgie des Krachs und der Zerstörung, der die meisten Trommeln und beinahe auch die Regenmacher zum Opfer fielen. So mussten wir die wildesten Kinder schließlich vors Zelt schicken. Jetzt waren nur noch Kinder anwesend, die in erster Linie Lust und Spaß an den neuen Erfahrungen von Bauen und Spielen hatten, und es kehrte wieder mehr Ruhe ein. Es wurde möglich, uns mit ihnen auf den Kreis aus Bänken zu setzen und gemeinsam einfache Lieder zu singen, die wir mit den Trommeln und Rasseln begleiteten.

Rhythmus verbindet

Etwa eine halbe Stunde vor Workshop-Ende tauchten einige Männer am Eingang des Zeltes auf. Sie entpuppten sich als Väter der Kinder, die mitgebaut und -gemalt hatten. Mit Instrumenten wie Rasseln, Shaker, Tambourin, Klangstäbe und Bongos, die wir zusätzlich mitgebracht hatten, motivierten wir sie, ins Zelt zu kommen. Dort stellte sich unter allen, die da waren, dann ziemlich schnell ein gemeinsamer Rhythmus ein, den alle begeistert teilten. In dieser Art fand der zweite Workshop-Tag einen gelungenen Ausklang, und wir planen ein weiteres Workshop-Angebot im Juni, dem dann regelmäßige wöchentliche Angebote sowohl musikpädagogischer als auch -therapeutischer Art folgen sollen.

Am 14. Juni findet ein weiterer Instrumentenbau-Workshop in der Schnackenburgallee statt. Da diesmal Instrumente wie Cajóns, Kalimbas und Querflöten entstehen sollen, die aufwendiger und anspruchsvoller in der Herstellung sind, ist die Zielgruppe enger gefasst. Angesprochen werden sollen vor allem junge Erwachsene, möglichst beiderlei Geschlechts.

Flyer 14.6. Englisch

Workshop-Bericht

Zielgruppe: junge Erwachsene

Am Sonntag, den 14. Juni 2015, startete unser zweiter Instrumentenbau-Workshop in der ZEA Schnackenburgsallee. Während der erste Workshop noch komplett offen angelegt war, begrenzten wir beim jetzigen die Zielgruppe auf junge Erwachsene ab 16 Jahren beiderlei Geschlechts.

Eine Gruppe von etwa zehn Männern jüngeren und mittleren Alters vorwiegend aus dem Kosovo folgte unserer Einladung und begab sich zum Bau von Kalimba, Quer- und Panflöte sowie Eimertrommel in das Zelt, das wir mit den Materialien und Werkzeugen vorbereitet hatten.

Magnet unter den Instrumenten: die Kalimba

Am attraktivsten schien der Bau der Kalimba zu sein: Hier widmete sich der Großteil der Männer dem Leimen der Stege, dem Platthämmern der Fahrradspeichen zu den benötigten Klangzungen auf einem Amboss sowie deren Befestigung auf den vorbereiteten Kokosnuss-Klangkörpern. An einem anderen Tisch wurden die Bambusröhren für die Panflöten auf die passende Länge gesägt, abgeschmirgelt und mit Bienenwachs verschlossen, um sie anschließend mit einem Draht und Bast zur fertigen Flöte zusammenzubinden.

Kreative Einflussnahme

Drei Alurohre, die bereits mit den entsprechenden Löchern versehen waren, wurden glatt geschmirgelt und mit einem Stück Korken verstopft und verwandelten sich auf diese Weise in wohlklingende Querflöten. Einer der Teilnehmer schien mit dem Spiel von Flöten vertraut, jedoch nicht in der Querflöten-Variante: Unter intensiver und wortreicher Diskussion mit einigen anderen Teilnehmern wurde eine der Flöten mittels Klebeband so abgewandelt, dass er seitlich in sie hineinblasen und ihr wunderbar raue wehmütige Töne entlocken konnte.

Hand-lungsfähig bleiben

Insgesamt lässt sich  sagen, dass auch der zweite Instrumentenbau sehr gut angenommen worden ist und deutlich machte, wie förderlich und wichtig es für die Bewohner ist, eigeninitiativ und -verantwortlich Dinge nicht nur im Wortsinn in die Hand zu nehmen und zu gestalten. So wird es Mitte September also einen dritten Bau-Workshop geben, bei dem Cajóns und eventuell auch noch Kupferrohr-Xylophone gebaut werden, sofern wir dafür die erforderlichen Mittel akquirieren können.

Am 13. September findet der dritte Instrumentenbau-Workshop in der Schnackenburgallee statt. Diesmal möchten wir endlich die Cajóns entstehen lassen, und auch diesmal wollen wir vor allem junge Erwachsene, möglichst beiderlei Geschlechts, ansprechen.

 

 

 

 

Workshop-Bericht

Wochenende: wider die Langeweile

Gerade die Wochenenden sind in der Erstaufnahme manchmal prekär, was die Ablenkung vom tristen Lager-Alltag betrifft. Von daher bot unser unser dritter Bau-Workshop, der in der ZEA Schnackenburgallee stattfand, am Sonntag des 13. Septembers eine willkommene kleine Abwechslung.

Diesmal luden wir eine Gruppe von syrischen Flüchtlingen gemischten Alters dazu ein, die Cajóns mit uns zu bauen; später gesellten sich noch junge Eritreer, die eigenständig Coras (ein westafrikanisches Musikinstrument ähnlich einer Harfe) bauten, sowie Männer anderer Nationalitäten dazu, die neugierig waren, was in dem Zelt passierte.

Frauen und Männer

Neben der Bautätigkeit selbst war die Begegnung unterschiedlicher kultureller Konzepte der gesellschaftlichen Rolle von Frau und Mann diesmal ganz interessant: Zwei Frauen erklärten in der traditionell eher männlichen Domäne des Handwerks den Männern, was richtig und was falsch  ist. Wie sich schnell herausstellte, bewährte es sich, die Männer erst mal drauflos arbeiten zu lassen und sie dann möglichst beiläufig zu korrigieren.

Das Ergebnis waren drei Cajóns, fix und fertig zusammengesetzt sowie stabil und kräftig im Klang. Für ihre Vollendung bedarf es nur noch eines gründlichen Abschliffs sowie einer mehrmaligen Lasur.